Wer in Costa Rica landet, spürt es sofort – dieses unaufdringliche, fast schon zärtliche Gefühl der Befreiung. Es ist, als ob das Leben plötzlich langsamer wird. Ob das mit den Faultieren zu tun hat, die das zentralamerikanische Land so zahlreich bevölkern? Es scheint, als ob sich der Horizont dehnt, das Licht weicher wird und der Raum grösser.

Ohne Frage hat das damit zu tun, das Costa Rica eingerahmt ist von der Karibik im Osten und dem Pazifik im Westen, sodass der schmalen Streifen Land eine ungeahnte Vielfalt bereithält: Von üppigen Regenwäldern bis zu mystischen Kraterseen, von rauen, nebelumwobenen Berggipfeln bis zu den strahlend weissen Badestränden. Letztere sandigen Schönheiten finden sich unter anderem reichlich in der Region Guanacaste.

Welle mit Weile: Surfsports an der Pazifikküste. © Shutterstock

Pazifik: Hit für den Wellenritt

Fährt man der nördlichen Pazifikküste entlang, gelangt man nach Guanacaste und der Provinzhauptstadt Liberia mit internationalem Flughafen. Unweit davon liegen kilometerlange Strände, wo die Sonne fast das ganze Jahr über scheint und sich die saphirblauen Wellen zum feinen Sand hin- und zurückziehen. Sie lassen sich reiten: Costa Rica hat sich längst als eines der bevorzugten Reiseziele für Surferinnen und Surfer etabliert, wobei sich die meisten spannenden Spots an Guanacastes Pazifikküste aneinanderreihen.

Einer davon ist der Strand von Potrero Grande, etwa 35 Kilometer nordwestlich von Liberia, im Santa-Rosa-Nationalpark. Dieser Ort ist nur per Boot von Playas del Coco oder Playa Ocotal erreichbar. Die Belohnung für jene, welche diese schaukelige Anreise auf sich nehmen – mit zünftigem Vorgeschmack auf «Wind im Haar» – sind lange Wellen und konstante Barrels. Mit rasanten «Röhren» wartet im selben Nationalpark auch «Witch’s Rock» auf. Wer kaum satt wird von Paddeln, Stand und Take-off, findet an weiteren Stränden wie Naranjo Beach, Grande Beach, Avellanas, Junquillal und Nosara, wonach es ihm dürstet.

Ist die Verschmelzung mit Wind und Wasser doch vollendet, darf das Brett im warmen Sand ruhen, ähnlich wie das Schildkröten tun. Denn diese Spots laden auch dazu ein, mit Tauchmaske und Schnorchel tiefergelegenen Geheimnisse des Ozeans zu ergründen. Schliesslich hat Costa Rica mehr als ein «hübsches Gesicht»: Über 500’000 Arten kreuchen und fleuchen hier. Das entspricht etwa 6,5 Prozent der weltweiten Biodiversität auf einem «Fleck», der gerade mal 0,03 Prozent der Erdoberfläche ausmacht.

Naturspektakel: Schildkröten beobachten. © stock.adobe.com, KaiLennart

Auf 1000 Quadratkilometern gibt es im Schnitt 234,8 Pflanzenarten, 16,9 Vogelarten und 4,6 Säugetierarten. So öffnet sich beim Schnorcheln sozusagen das Meer als «blauer Dschungel», wo bunt beschuppte Bewohner schillern. Nach dem Tauchen läuft der faszinierende Farbfilm der Fische und Co. vor dem inneren Auge weiter, doch ist die vorerst letzte Salzwasserperle auf der Haut getrocknet, zieht es einen förmlich zu Kontrastpunkten – und diese lassen dank der Karibikküste nicht lange auf sich warten.

Karibik: Seelenvolle Streifzüge

Ein deutlich tropischeres, feuchteres Klima, geprägt von saftigen Regen- und Mangrovenwäldern, weichere Wogen, eine lässige Lebensweise mit afro-karibische Einflüsse, untermalt von Reggae-Rhythmen – die Unterschiede könnten markanter kaum sein. Doch auch in der costa-ricanischen Karibik, die sich vom Río San Juan bis zum Río Sixaola entlang der panamaischen Grenze erstreckt, geht es tierisch zu und her, und zwar «gepanzert»: Wenn der Mond den Ozean in flüssiges Silber verwandelt, legen unzählige Schildkröten mit scheinbar jahrtausendealter Ruhe ihre Eier an den Stränden von Tortuguero und Cahuita ab. Hauptort, um diesem stillen Spektakel (oder ist es eher eine Zeremonie?) beizuwohnen, ist der Tortuguero- Nationalpark.

Reizvolles Zentraltal: der Vulkan Turrialba. © Shutterstock

Doch sind hier die Geräusche des Dschungels, von Rufen bis Rascheln, nie weit weg: Wer sich weiter in das dauergrüne Dickicht wagt, wird lächelnder Zeuge eines noch intensiveren Spektrums an Leben. Affen schwingen sich von Ast zu Ast, Faultiere tun es ihnen gleich, bloss im Schneckentempo, und der Tukan thront so farbenfroh in den Wipfeln, als wäre er gerade einem Kinderbuch entsprungen. Wer nun den Sprung von der gemütlichen auf die gustatorische Seite Costa Ricas vollzieht, findet sich im zentralen Hochland wieder.

Zentrale (Glücks-)Zutaten

Im Herzen des Landes, quasi im Sandwich von Karibik und Pazifik, kommen Aficionados und Aficionadas des Genusses buchstäblich auf den Geschmack: Landschaftlich schöne Ziele wie Turrialba und das Tal der Heiligen gewähren Einblick in die Vergangenheit mit Lehmhäusern, Mühlen, Farmen sowie Plantagen mit Kaffeepflanzen und Kakaobäumen. Letztere sind mehr Träger von Kultur, Geschichte und Geografie als reine Genussmittel. So kamen etwa die ersten Kaffeebohnen 1779 aus Kuba nach Costa Rica – inzwischen hat sich das Land zu einem der renommiertesten Kaffeeproduzenten weltweit entwickelt. Der Fokus auf Arabica-Bohnen, das Zusammenspiel aus vulkanischem Boden, steilen Hügeln und dem idealen Klima mit wechselnden Jahreszeiten sowie das eigens entwickelte «Honig»-Herstellungsverfahren machen die Güte des würzigen Wachmachers aus. Ist das Interesse geweckt, können Gäste Plantagen besuchen und der Köstlichkeit auf die «Kirsche fühlen».

Am Ursprung: Touren auf Kakao-Plantagen. © Instituto Costarricense de Turismo

Für Schokoladenliebhaber ist diese Region, wo sich mit Turrialba oder Poás die bedeutendsten Vulkane Costa Ricas in den Himmel schrauben, ebenfalls ein Schlaraffenland. Viele kleine Betriebe lüften auf Touren mit Degustationen süsse Geheimnisse vom Anbau über die Fermentation bis zur Veredelung der Schokoladenmasse. Ja, sogar das zartschmelzende Stücklein scheint irgendwie nach nach «Pura Vida» zu schmecken, als würde der gelassene Geist des Landes gar im Gaumen «Punto Guanacasteco» tanzen.

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