Kurvenreich geht es den Berg hinauf, immer der Nase oder dem Lenker nach, erreicht man von Kurtatsch an der Weinstrasse das Fennberger Hochplateu. Manche merken es bereits beim ersten Anblick des Renaissance-Schlosses Umlburg und der weitaus älteren Maria-Hilf-Kirche, andere schliesslich, wenn sie Finger- oder Fussspitzen im runden Fennberger See schwenken: «Ich bin Fan!» Tatsächlich schleicht sich die Region im Südtirol, getrennt durch das tiefe Etschtal, in das Herz, ehe man sich versieht. Das hat mannigfaltige Gründe – oder treffender gesagt: mammutmässige.

Musse unter Mammutbäumen

Denn die Bewunderung für diese Gegend beginnt schon bei der Anreise: Auf der Strasse nach Fennberg, nach einer kleinen Siedlung, ragen ihre nadeligen Kronen in den Himmel: Ein botanisches Naturdenkmal mit fünf bis zu 40 Meter hohen Mammutbäumen. Man möchte sie umarmen, diese mit faseriger Rinde ummantelten Riesen – schliesslich soll das glücklich und gesund machen. Doch hier reichen die Arme nicht ganz rundherum, denn die Stämme sind bis zu 4,5 Meter dick. Seit sie 1898 zum 50. Jubiläum der Krönung des österreichischen Kaisers Franz Joseph I hier auf Kalkgestein gepflanzt wurden, gedeihen sie im mediterranen Klima prächtig.

Botanisches Naturdenkmal: Mammutbäume bei Fennhals. © IDM Südtirol-Alto Adige / Tiberio Sorvillo

Ab Oberfennberg führt auch eine Wanderung an den knorrigen Kolossen vorbei. So gut wie im Windschatten dieser wurzeligen Wucht wächst etwas, das ebenso viel Grösse in sich trägt, bloss nicht auf den ersten Blick: Am Fennberg, etwas mehr als auf 1000 Metern, liegt einer der höchsten Müller-Thurgau-Rebgärten Europas. In den Trauben stecken die Sonnenstrahlen, welche die schroffen Felswände tagsüber speichern und nachts abgeben. So gluckert der florale und doch feingliedrige Weisse beispielsweise als «Feldmarschall von Fenner zu Fennberg» in das Glas; dies vermutlich aber erst nach den Aktivitäten, die manchmal schweiss-, aber stets serotonintreibend sind.

Orchideen-Oeuvre am Badesee

Wie das ein waschechter Fan tut, wird man anderen entflammt erzählen, wie idyllisch der kleine Fennberger (oder Fenner) See doch ist. Für etwas mehr Furore wird man ihn lauthals als «Lago di Favogna» bezeichnen, klingt doch der italienische Namen gleich noch einen Tick temperamentvoller. Auf über 1000 Metern ruht das runde Nass eingebettet zwischen Wiesen und Wäldern. Mit dem Summen der Libellen im Ohr, hält man auf dem schmalen Holzsteg über dem seidigen Moorwasser inne, und braucht sich nicht zu wundern, dass das 10 Hektar grosse Biotop rund um den See wegen seiner botanischen und faunistischen Werte seit 1977 unter Naturschutz steht. «Wahnsinn!», «Fantastisch!» sind folglich die emotionalen Zwischenrufe, welche die Stille durchbrechen, jedes Mal, wenn man wieder eine andere der gesamthaft 35 Orchideenarten sichtet.

Facettenreiche Flora und Fauna: der Fenner See. © stock.adobe.com, Janet

Das Juwel von Unterfennerberg ist über Wanderwege erreichbar, beispielsweise von Margreid über die Fenner Schlucht, wo über 500 Schmetterlingsarten flattern. Die Südtiroler Alpen sind bekannt für ihre erfrischenden Bergseen und dieser hier ist keine Ausnahme: Am Ziel kann man jedwede Anstrengung abwaschen und mit Aussicht auf das St. Leonhard-Kirchlein und die markante Wiggerspitze schwimmen. Hach, vielleicht ist es eben genau dieses Gefühl von Zugehörigkeit zur Natur, welches das «Fansein» anfacht!

Hinfahren oder Emporsteigen?

Diese Verbundenheit kann man auch auf zwei Rädern erleben, schliesslich führen verschieden (E-)Mountainbike-Touren von mittelschwer bis herausfordernd etwa von Tramin oder Kaltern aus innert vier bis fünf Stunden hinauf auf den Fennberg, wobei Fahrrad-Enthusiasten jeweils rund 1400 Höhenmeter bezwingen. Wer lieber schreitet statt strampelt und dennoch Steigungen nicht scheut, zeigt sich über den knackigen Klettersteig erfreut: 1976 eröffnet und 2023 saniert, überwindet der Pfad in abwechslungsreichem Gelände insgesamt rund 1000 Meter Höhenunterschied und ist vor allem im blütenreichen Frühjahr oder zur Weinernte im Herbst ein Augenschmaus. Es scheint, als würde sich die Fanliebe mit jedem Tritt und Talblick festigen. Fennberg vermag sich eben nicht nur schwupp ins Herz zu schleichen, sondern stetig ans Herz zu wachsen.

1337 erstmals erwähnt: die Leonhardskirche. © IDM Südtirol-Alto Adige / Achim Meurer

Oben angekommen und dankbar für die angenehm tieferen Temperaturen, die Fennberg zum sommerfreundlichen «Cold Spot» machen, applaudiert man unvermittelt. Hier zu stehen kommt einer Standig Ovation gleich für diese Südtiroler Schönheit – und gäbe es einen Fan-Schal, man würde ihn jetzt im Wind wehen lassen.

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