Estland, die nordische Schönheit, ist flächenmässig etwa gleich gross wie die Schweiz, hat aber nur 1,3 Millionen Einwohnende. Seit 2004 EU-Mitglied, hat sich Estland zum modernen Staat und Ferien-Geheimtipp gewandelt. Wir hatten die Chance, eine Entdeckungsreise nach Tallin und in den Norden Estlands zu machen. Wir lernten ein Land kennen, das mit Naturschönheiten gesegnet ist, kulturellen Reichtum und eine spannende, sehr bewegte Geschichte bietet. Und erst die Menschen! Mit ihrer ruhigen und herzlichen Art, ihrem Humor und ihrer Gastfreundschaft gewinnen sie schnell die Herzen der Gäste.

Ankunft am kleinen Flughafen

Nach dem Flug von Zürich nach Tallinn landen wir auf dem kleinen Hauptstadt-Flughafen. Direkt vom Flieger geht es in die schmucke Ankunftshalle. Von Massentourismus keine Spur, das Personal hat Zeit und ist sehr zuvorkommend. Nach rund zwanzigminütiger Autofahrt treffen wir in unserem Quartier ein, dem Nunne-Boutiquehotel in Tallinns Altstadt. Das stilvoll renovierte Haus bietet moderne Zimmer in historischen Mauern, einen Spa- und Fitnessbereich sowie das Sterne-Restaurant Âme, bekannt für einzigartige Geschmackserlebnisse.

Tallinn – Stadt der kurzen Wege

Tallinn gilt als Stadt der kurzen Wege. Wir erreichen das weltbekannte mittelalterliche Stadtzentrum, den Hafen und auch die modernen Stadtteile wie Kalamaja mit der «Telliskivi Creativ City» bequem zu Fuss. Für Geschichts- und Kulturliebhaber ist die Altstadt ein Muss – doch davon später. Wer es lieber zeitgemäss mag und gerne shoppen und fein essen geht, findet etwa in der ehemaligen Industriegegend Telliskivi kreative Design- und Vintage-Läden, Galerien, Bars und ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Die reiche Auswahl der estnischen Küche erklärt sich mit den jahrhundertelangen Fremdherrschaften und einer neuen Generation kreativer Gastronomen.

Das Kunstmuseum in der alten Fischfabrik von Viinistu. © Jürg Morf

Juwel des Mittelalters

Volker Röwer, unser Stadtführer, empfängt uns am nächsten Tag vor dem Hotel. Der Deutsche lebt seit 27 Jahren hier. Er bringt uns die bewegte Geschichte und Kultur der Stadt und Estlands näher, erzählt Anekdoten aus Zeiten der wechselnden Fremdherrschaften. Ab dem Mittelalter und im Laufe der Jahrhunderte wurde Estland von wechselnden Machthabern regiert. Röwer zeigt uns historische Stätten wie die gut erhaltene Stadtmauer, das Rathaus aus dem 13. Jahrhundert, hanseatische Handelshäuser, Museen, die Nikolaikirche am Fusse des Dombergs und viele andere. Zu Recht gilt die einstige Hansestadt als eine der weltweit schönsten mittelalterlichen Städte und gehört längst zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir besuchen auch das älteste Kaffeehaus der Stadt und kaufen im Marzipanzimmer süsse handgemachte und handbemalte Figuren.

Tosender Wasserfall

Von Tallinn reisen wir am nächsten Morgen ostwärts Richtung Meeresküste am Finnischen Meerbusen. Auf schnurgeraden Strassen fahren wir durch riesige Waldregionen und fühlen uns wie in Skandinavien. Nach einstündiger Fahrt gibt es einen Halt am Jägala-Wasserfall. Er ist bekannt für sein braun-rötlich gefärbtes Wasser. Die Farbe hat ihren Ursprung in zersetztem Pflanzenmaterial aus den umliegenden Mooren und Wäldern. Und schon steigen wir wieder ins Auto, weiter geht es in den Lahemaa Nationalpark, rund 70 Kilometer östlich von Tallinn.

Der tosende Jägala-Wasserfall. © Jan Vutt / visitestonia.com

Die Stille in unberührter Natur

Hier, im Viru-Hochmoor, geniessen wir die wohltuende Stille und das mystische Naturschauspiel der Moore und kleinen Seen. Wir wandern auf Holzstegen kilometerweit durch farbenprächtige Gegenden, sind speziell beeindruckt von den kunstvollen Flechten. Die ausgedehnten estnischen Moore sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Im Sommer strahlen sie in kräftigem Grün, im Frühjahr und Herbst in warmen Rot- und Brauntönen. In den Wintermonaten verschwindet alles unter einer dicken weissen Schneedecke.

In Wäldern und Mooren

Dank Mari Toom, unserer sympathischen Outdoor-Reiseführerin, machen wir in den nächsten Tagen weitere kulturelle, abenteuerliche und gastronomische Entdeckungen. Vier Beispiele in Kurzfassung: An der Nordküste Estlands, in Viinistu, besuchen wir das erstaunlich grosse Kunstmuseum. In einer ehemaligen Fischfabrik präsentiert sich den Besuchenden eine reiche Sammlung von estnischen Kunstschaffenden. Der Abstecher in den einsamen Küstenort lohnt sich! Im historischen Themenpark in Mustjöe lernen wir Erika Lumila, eine talentierte Erzählerin und lebensfrohe Estin, kennen. Sie lebt hier fernab der Zivilisation in einem historischen Bauernhaus. Auf humorvolle Art bringt sie uns die Geschichte, Architektur und frühere Lebensweisen estnischer Bauern näher. Gut versteckt im Wald bieten Marilin und Mairo im «Little Lappland» Schlittenhundefahrten, Hiking-Touren und viele weitere Abenteuer an – inklusive Knuddeln und Fototermin mit süssen Welpen.

Exquisites Dinner aus der einfachen Waldküche. © Jürg Morf

Krönender Abschluss und kulinarisches Highlight unserer traumhaften Estland-Reise: Das exklusives Fine Dining im dunklen Wald von Rooküla. Die Köche und Eventspezialisten Ellery und Indrek zelebrieren ihre Outdoor-Kochkunst ausschliesslich mit lokalen Produkten.

www.visitestonia.ch