Salzig, buttrig & weinselig
Spricht man über die Bretagne, liegt es einem wahrlich auf der Zunge: Crêpes und Galettes. Doch die reiche bretonische Speisekammer hat weit mehr zu bieten als diese kulinarischen Klischees.

Spricht man über die Bretagne, liegt es einem wahrlich auf der Zunge: Crêpes und Galettes. Doch die reiche bretonische Speisekammer hat weit mehr zu bieten als diese kulinarischen Klischees.

Pittoreske Dörfer, schnuckelige Fischerhäfen und Klippen, die wie alte Titanen auf das raue Meer starren – das kommt einem in den Sinn, wenn man an die Bretagne denkt. Tut man selbes, während der Magen leise knurrt, stossen süsse Crêpes und Buchweizen-Galettes dazu. Doch wer die Küstenregion und deren Identität verstehen will, senkt den Blick tiefer in die Töpfe und erschmeckt den zarten Schmelz von Jakobsmuscheln, knusprige bretonische «Kouign-amann»-Butterkuchen, Karamell aus gesalzener Butter, prickelnden Cidre oder die auf den Punkt gereiften Erdbeeren aus Plougastel. Über alledem wabert das Aroma von Authentizität: Alles hat Herkunft, alles hat Saison, alles hat Charakter.
Auf Wochenmärkten, in Hofläden oder in Bistros erlebt man geschmacksknospennah, wie altes Wissen und moderne Ideen verschmelzen. Junge Kochtalente interpretieren Klassiker neu, während traditionelle Rezepte bewahrt werden. Selbst der Wein wagt hier eine Renaissance.

Junge Winzerinnen und Winzer setzen auf Trauben, die der raue Atlantikwind umweht, auf Böden, die Granit und Schiefer in sich tragen – und auf nachhaltige Bewirtschaftung. Und das ist bemerkenswert, weil man hier lange Zeit keine traubenbehangenen Terrassen mehr sah. Im 19. Jahrhunderte machte die Reblaus den Weinbergen den Garaus, fast ein Jahrhundert lang war Weinbau verboten, bis mit der Gesetzänderung zum 1. Januar 2016 eine neue Ära anbrach. Seither keltern kreative Kooperativen vor allem Weissweine, aber auch leichte Rotweine, die man nicht einfach trinkt, sondern sinnlich erwandert, als hätten sie die Küste in die Flasche gepackt. Mit dem Pioniergeist reift auch die Güte, sodass bretonische Tropfen bald Cidre, Karamell und Meersalz von der Souvenir-Hitliste schwemmen könnten.
Folglich ist es eine vorzügliche Idee, einfach «der Nase nach» durch die Bretagne zu reisen. Wer sich nicht allein darauf verlassen mag, nimmt den druckfrischen Restaurant-Guide «Pur Beurre» 2026 zur Hand. Natürlich nur so lange, bis das Besteck dessen Platz einnimmt, weil man die kredenzten Köstlichkeiten aufgabelt.
