Die Mutter zieht es in die Stadt, das Kind lechzt nach Schlössern und der Vater sehnt sich nach der Bergwelt und alten Traditionen: Ein Wochenende mit der Familie zu planen, ist nicht immer einfach – doch es gibt Orte, da liegen die mannigfaltigen Möglichkeiten direkt vor der Haustüre. So wie im Zentralwallis.

Die Stadt

In Sion finden Gäste charmantes Altstadtflair, verbunden mit einer lebendigen Tradition: Auf Shoppingfreudige warten Geschäfte mit lokalen Produkten und jeden Freitag werden auf dem Wochenmarkt Lebensmittel und Kunsthandwerk angeboten. Sion ist auch historisch spannend, schliesslich blickt die Stadt auf eine mehr als 7000-jährige Geschichte zurück. Von Hochs und Tiefs im Laufe der Zeit erzählen etwa die 14 Infotafeln auf dem Entdeckerspaziergang. Auch eine geführte Tour durch die Stadt lohnt sich. Denn so erhalten Besucherinnen und Besucher Zugang zu Denkmälern, die für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind. Wer Kulinarik und Geschichte kombinieren möchte, ist mit der «Sion Wine Tour» gut beraten: Auf dem Programm stehen die Degustation von fünf lokalen Weinen und die Entdeckung dreier historischer Stätten.

Der Wochenmarkt von Sion. © Sion Tourisme

Die Schlösser

Die Geschichte Sions hängt eng mit der besonderen Topografie zusammen: Die Hügel, die die Stadt im Rhonetal durchziehen, waren früher ideale Beobachtungsposten und Orte der Verteidigung. So stehen noch heute auf den Zwillingshügeln von Valère und Tourbillon zwei beeindruckende Festungen, die man besichtigen kann. Auf Valère befinden sich die Basilika und der ehemalige befestigte Burgflecken Valeria, hier hat das Geschichtsmuseum Wallis seine Heimat gefunden. Interessierte finden hier neben verschiedenen Sonderausstellungen eine Dauerausstellung mit über 1000 Originalobjekten, die – ergänzt mit Modellen und multimedialen Präsentationen – die turbulente Geschichte des Wallis über mehrere Jahrhunderte hinweg nacherzählen: von den nomadisch lebenden Wildbeutern des Paläolithikums über die prachtvolle Ausstattung der Fürstbischöfe im Mittelalter bis zum industriellen Wandel und dem Ganzjahrestourismus des 21. Jahrhunderts. Jeder der 27 Ausstellungsräume widmet sich einem anderen Themenbereich. Die Basilika, die ab dem 12. Jahrhundert erbaut wurde, zieht international Gäste an und gilt als Schmuckstück der Region.

Die Schlösser Valère (vorne) und Tourbillon wachen über Sion. © lumiere

Vom Hügel Valère aus sieht man direkt zum Zwillingshügel gegenüber, wo das Schloss Tourbillon thront. Der Bischof Boniface de Challant liess hier einst seine Hauptresidenz erbauen. Leider fiel das Schloss 1788 einem Brand zum Opfer, bei dem auch Teile von Sion zerstört wurden. Neben den stimmungsvollen Ruinen ist aber die Kapelle Saint-Georges und Saint-Grat noch gut erhalten. Sie wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts gebaut und beherbergt zwei imposante Gemäldezyklen. Noch mehr Schlösser gefällig? Etwas unterhalb der Zwillingshügel befinden sich die Schlösser Majorie und Vidomnat, in denen sich das Walliser Kunstmuseum befindet.

Die Berge

Von Sion aus ist man flugs im Val d’Hérens. Über 500 Kilometer Wanderwege schlängeln sich über Wiesen und Gipfel und es wird für alle Schwierigkeitsstufen etwas geboten. Hier, wo die streitlustige und gleichzeitig anhängliche Eringerkuh zuhause ist, finden jährlich die legendären Königinnenkämpfe statt, die zahlreiche Züchter und Schaulustige anziehen. Nicht nur die Kuh, auch der Käse ist weitherum berühmt: Der Raclette-Käse aus den Alpen und Sennereien der Region zählt zu den am häufigsten prämierten bei Wettbewerben. Die lokale Tradition der «Rauchia» (Vorfahre des Holzfeuer-Raclettes) wird heute noch bei Wanderungen gepflegt. Auch die regionstypische Tracht ist bis heute in Gebrauch und an verschiedenen Anlässen getragen: Sowohl beim «Schutzo» aus Wolle, der bei der Arbeit getragen wird, als auch beim blauen Kleid mit Seidenverzierungen für Festtage, zeigt sich der kulturelle Reichtum des unberührten Tals. In Evolène produziert und restauriert eine alte Weberei bis heute Stoffe für die Trachten.

In Hérémence gibt es viele Raccards. © Suisse Tourisme, Nico Schärer

Wer authentische Bergdörfer besuchen möchte, hat mehrere Möglichkeiten: Da ist etwa Hérémence. Am Hang des Val des Dix auf 1230 Metern gelegen, reihen sich traditionelle Chalets, Scheunen und Raccards um die moderne und mutige Architektur der Kirche St. Nicolas. Von ihr aus bietet sich ein Ausflug zu den natürlichen Pyramiden von Euseigne an – einzigartige geologische Formationen, die fast surreal aus der Landschaft ragen. Eine weitere Gemeinde, die es zu entdecken gilt, ist Saint-Martin, bestehend aus neun ursprünglichen Weilern. Sie liegt im Herzen des Val d’Hérens und vereint Hochgebirge ebenso wie Wald, grüne Alpen und heisse Quellen. Die charmante Hochebene Ossona mit Unterkünften und einer Alpenbeiz lässt sich entlang der Suone entdecken, die teilweise noch in Betrieb ist. Als eines der schönsten Dörfer der Schweiz gilt Evolène: Das architektonische Erbe ist hier besonders gut erhalten, mit alten Lärchenchalets, Schieferdächern, Speicherbauten auf Stelzen und traditionellen Raccards.

www.siontourismne.ch
www.valdherens.ch