Hier fährt man buchstäblich gerne einen Gang runter: Das beliebteste Ferienziel Estlands in der warmen Jahreszeit ist und bleibt Pärnu. Woran das liegt? Klar sind die Strassen mit ihren romantischen Holzvillen und modernen Glasfassaden einen Spaziergang wert. Die Hauptattraktion bleibt aber der lange Strand mit seinem weissen Sand, der bereits im 19. Jahrhundert viele Kur- und Badegäste anlockte. Das Herzstück der Destination liegt direkt neben dem Ortszentrum und eignet sich mit seinem sanft abfallenden Meer gerade für Familien. Aber auch Surfclubs, Beachvolleyball-Felder und Kajak-Verleihe reihen sich aneinander. Abends sind dann die zahlreichen Cafés und Bars entlang der Strandpromenade die richtige Adresse – in entspannter Atmosphäre und mit Blick auf die Ostsee schlürfen BesucherInnen dort ihre Cocktails.

Schritte durch die Lagune

Wer etwas mehr Ruhe sucht, streift durch den 1882 angelegten Strandpark. Seine schattigen Grünflächen bieten im Sommer kühlende Plätze für ein Picknick, zudem lassen sich hier die verschiedensten Pflanzenarten entdecken – der Park gilt wegen seiner botanischen Vielfalt auch als Naturschutzgebiet. Und apropos Natur: Ebenfalls einen guten Einblick ins urbane Ökosystem liefert der lokale Küstenwiesen-Wanderweg. Die 600 Meter lange Runde direkt am Strand von Pärnu erschliesst Lagunen und Wiesen, in denen zahlreiche Vögel und Amphibien leben. Von der zugehörigen Aussichtsplattform aus können sich Gäste rasch einen Überblick verschaffen, bevor sie wieder zur belebten Promenade mit ihren Eisdielen und Restaurants zurückkehren.

Romantisch: Promenade von Haapsalu. © Rivo Veber

Tour durch Haapsalu

Bitte einsteigen und weiterfahren: Etwas weiter nordwestlich von Pärnu finden Reisende mit Haapsalu gleich die nächste Küsten- und Kurstadt. Das ruhige und freundliche Städtchen diente einst als Sommerresidenz des russischen Adels. Bereits 1825 wurde hier das erste Schlammbad eröffnet, und auch heute noch stehen in der Wellness-Destination mehrere Thalasso-Spas zur Auswahl. Aber auch kulturell punktet der Ort – etwa mit einer gut erhaltenen Altstadt auf einer Halbinsel. Die flachen Mäander des Meeres und ein Gürtel von Holzhäusern lassen sich dabei gut zu Fuss erkunden. Ebenfalls altehrwürdig präsentiert sich daneben Schloss Haapsalu aus dem 13. Jahrhundert. Das Museum mit seiner mittelalterlichen Geschichte, die südliche Kathedrale und der Burggraben mit Kinderspielplatz gehören hier zu den Attraktionen. Zudem soll in diesen Gemäuern der berühmteste Geist des Landes hausen: Die «weisse Dame» wird sogar mit einem eigenen Sommerfestival zelebriert.

Imposant: Burg von Kuressaare. © Robert Lindström

Residenz der Zarenfamilie

Auch Haapasalu verfügt über eine Promenade, die Flaneure magisch anzieht. Dass es hier besonders romantisch zugeht, beweisen gleich mehrere Hingucker am Wegesrand. Da wäre etwa die Tschaikowsky-Bank, die dem weltberühmten Komponisten gewidmet ist und auf der seither viele illustre Persönlichkeiten gesessen haben: Hier liess sich der Maestro beim Beobachten der Schwäne inspirieren; die Anfangstöne seiner berühmten 6. Sinfonie sind denn auch in den Dolomit-Stein der Bank eingraviert. Dann schreiten SpaziergängerInnen weiter zum Kursaal mit seinen filigranen Holzornamenten: Der Bau von 1898 erinnert noch einmal an die Sommerkultur der russischen Zarenfamilie und der Oberschicht von St. Petersburg, die im 19. Jahrhundert Stammgäste in Haapsalu waren.

Muhu lässt sich per Velo erkunden. © Rivo Veber

Trio für die Fähre

Wenn die Strasse schon zum Meer führt, bietet sich natürlich ein Abstecher zu den vorgelagerten Inseln Estlands an. Unglaublich 2317 davon gibt es, doch im Sommer sind gerade die drei Hauptinseln einen Besuch wert. Da wäre erstens einmal Saaremaa: An ihren 900 Kilometern Küstenlinie finden Wasserratten sicher den passenden Strand, während Hobby-HistorikerInnen Sehenswürdigkeiten wie die Bischofsburg von Kuressaare bestaunen. Zweitens bringen Fähren ihre Passagiere auf die Insel Muhu. Das 198 Quadratkilometer grosse Eiland lässt sich perfekt mit dem Mietvelo durchstreifen, denn im flachen Terrain gelangen FahrerInnen rasch zum nächsten Dorf oder Strand. Besonders das bäuerliche Koguva ist hier ein gutes Beispiel für die traditionelle estnische Architektur. Die dritte Hauptinsel ist dann noch Hiiumaa. Sie ist unter anderem für ihre vielen Leuchttürme bekannt, doch auch ein Ausflug zum nördlichsten Lavendelfeld der Welt am Rande eines Meteoritenkraters lohnt sich.

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