Im Hotel Han 1772 taucht man bereits beim üppigen Frühstück in die Welt alter Gemäuer und heutiger Lebensweisen ein: Der 250 Jahre alte Bau im zentral gelegenen Eminönü-Viertel war früher ein traditionelles osmanisches Handelsgebäude mit Lager und Unterkünften für Kaufleute. Gäste betreten das Gebäude heute im ersten Stock, von wo aus sich ein überwältigender Blick auf das sich im Innenhof befindende Restaurant eröffnet. Der hohe, lichtdurchflutete Raum ist mit einem gläsernen Kuppeldach gedeckt. Ein riesiger Kristallleuchter dominiert die Szene und eine filigrane Wendeltreppe führt hinunter in den Frühstücksraum.

Der Meister seines Fachs

Vom «Han 1772» sind es nur ungefähr 15 Minuten Fussmarsch bis zum «Barin Han»-Museum, das im selben Stadtteil liegt. Es ist ein fünfstöckiges Gebäude, das der führende türkische Kalligraf und Buchbinder Emin Barın jahrzehntelang als Atelier nutzte. Seit 2019 beherbergt es nun Ausstellungsräume und dient für Künstler-Workshops. Die eindrückliche Werkschau zeigt einerseits traditionelle Kunst in Kufi- oder Divin-Schrift. Andererseits verbinden einige Exponate auch Tradition und modernes Design – Letztere gleichen eher Gemälden als Schriftzeichen.

Ein Feinschmecker-Frühstück wartet im «Han 1772». © Esther Wyss

Hamam einst und jetzt

Ganz in der Nähe befindet sich der «Zeyrek Cinili»-Hamam. Auf dem Spaziergang dorthin kommt man an kleinen Läden vorbei, in denen auch viele Einheimische einkaufen: Hier gibt es statt Souvenirs Gewürze, Tee, Seifen, Fleisch und andere Dinge für den täglichen Gebrauch. Beim luxuriösen Hamam angekommen, treffen Gäste in den geschichtsträchtigen Mauern der alten Zisterne dann auch gleich auf ein Museum und eine Galerie. Während der Restaurierung des Komplexes wurden verschiede Artefakte gefunden, die Aufschluss über die einstige Lebensweise geben und nun ausgestellt werden. Unter anderem sind die Überreste der verloren geglaubten Iznik-Fliesen, spezielle Schuhe und verschiedene Gebrauchsgegenstände zu sehen. Szenen auf ausgestellten Bildern geben zudem einen vertieften Einblick in die damalige Bäderkultur.

Hier kaufen auch Quartierbewohner ein. © Esther Wyss

Quirlige Morgenstunden

Am nächsten Morgen führt der Weg bis zum berühmten Galata-Turm und damit über die gleichnamige Bücke auf der fast rund um die Uhr unzählige Fischer ihr Glück versuchen. Der Spaziergang durch die Altstadt erschliesst Geschäfte mit ausgebreiteten Waren, die schon zur frühen Stunde geöffnet haben. Früchte und Gemüse werden schön präsentiert, Tische und Stühle auf dem Trottoir zurechtgerückt. Einen Steinwurf vom Turm entfernt befindet sich auch die Istiklal-Strasse, berühmt als die Shoppingmeile Istanbuls. Hier herrscht reges Treiben. Touristen aus aller Welt und Einheimische schlendern durch die Prachtstrasse, an der sich Jugendstilhäuser, moderne Designergeschäfte, hippe Cafés sowie Einkaufs- und Souvenirläden aneinanderreihen. Eine beliebte Touristenattraktion ist das nostalgische Tram: Es fährt vom «Tünel», der End-station der Zahnradbahn, bis zum Taksim-Platz und ist eines der begehrtesten Fotomotive.

Die Oper im AKM bietet Platz für ungefähr 2000 Zuschauer. © Esther Wyss

Ein filigranes Zentrum

Weiter zum Herzen Istanbuls, zum Taksim-Platz. In seiner Mitte steht das Unabhängigkeitsdenkmal zu Ehren Atatürks, des Gründers der türkischen Republik. Hier thront aber auch das AKM (Atatürk Kulturzentrum), das 2021 eröffnet wurde. Der filigran wirkende Bau wurde vom Architekten Murat Tabanlioglu gestaltet: Trotz viel Glas, Beton und Metall wirkt der lichtdurchflutete Bau leicht, die Fassade spiegelt sich im davor liegenden Bassin. Von aussen sieht man im Innern eine purpurrote Kuppel aus Keramikplatten, die je nach Lichtverhältnissen unterschiedlich schimmern – darunter befindet sich eine Oper mit über 2000 Sitzplätzen. Das AKM beherbergt zudem einen Theater- und Konzertsaal, eine Bibliothek, eine Galerie für Kunstausstellungen, Restaurants, ein Café und ein Kino.

Fischer versuchen ihr Glück auf der Galata-Brücke. © Esther Wyss

Faszinierende Wasserfront

Gleichzeitig mit der Einweihung des AKM wurde der Galata Port eröffnet. Hier können täglich bis zu drei Kreuzfahrtschiffe anlegen. Modern gestaltete Gebäude befinden sich direkt am Bosporus und bieten Raum für Designer-Shops und Büros. Die 1,4 Kilometer lange Flaniermeile gibt die Sicht auf die asiatische Seite Istanbuls frei und verfügt über verschiedene Restaurants. Hier befindet sich zudem das sehenswerte Istanbul Modern. Es ist eines der wichtigsten Museen für moderne, zeitgenössische türkische Kunst sowie für internationale Wechselausstellungen, Fotografie und Architektur. Von der Dachterrasse bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Promenade. Nach so viel Kunst und Aussicht können BesucherInnen auf einer Bootsfahrt auf dem Bosporus herrlich ausspannen: Vom Wasser aus geniesst man einen fantastischen Blick auf die Villen und Paläste, die das Ufer säumen.

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